Donnerstag, 15. März 2018

Jahrgang 2018

Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen: Ich mag Motorsport und lege bei den Autos Wert auf Ästhetik. Nicht nur beim eigentlichen Design, sondern auch bei der Lackierung. Bei dieser kann ich auch nicht die berechtigte „Form follows Speed“-Ausrede gelten lassen. Jetzt steht die neue Formel-1-Saison vorm Garagentor, die neuen Wagen wurden schon vor Wochen präsentiert. Ob die Geschwindigkeit stimmt, kann man noch nicht richtig beurteilen. Aber wie sieht der Jahrgang 2018 in puncto Optik aus? Waren Profis am Werk oder durften die Praktikanten ran? Geht der Daumen hoch oder geht er runter?

Ferrari SF71H: Viel Rot, wie es die Tradition befiehlt, und etwas Schwarz. Rot ist grundsätzlich immer zu begrüßen; auf das Schwarz hätte man sehr gut verzichten können, aber es ist wenigstens nicht zu aufdringlich. Vor ein paar Jahren war das mal anders. Nicht spektakulär, aber so, wie es sein sollte. Daumen hoch.

Force India VJM11: Ich mag das Pink. Nein, nicht die Farbe als solche, sondern weil sie aus dem Üblichen heraussticht und Abwechslung bringt. Leider wirkt die Kombination mit Weiß bisweilen etwas willenlos. Und der (überschaubare) Schwarz-Anteil ist auch hier überflüssig. Es hätte sich vielleicht gelohnt, über die Details noch mal nachzudenken. Insgesamt im Prinzip nicht schön, aber für mich trotzdem eine echte Bereicherung. Daumen hoch.

Haas F1 VF18: Die Hausfarben von Haas sind Grau, Weiß und Rot. Seit dem Einstieg des Teams in die Formel 1 im Jahr 2016 mischt man diese Farben in wechselnden Varianten. Das Ergebnis ist immer dasselbe: trostlose Ödnis und gähnende Langeweile. 2018 macht da keine Ausnahme. Soll mir keiner sagen, dass es nicht auch besser ginge. Daumen runter.

McLaren MCL33: Chapeau, man hat auf die Fans gehört und das helle Papaya-Orange der frühen McLaren reaktiviert. Ergänzt durch blaue Elemente, also insgesamt so wie Fernando Alonsos Indycar aus dem letzten Jahr. Ein Hauch mehr Raffinesse in der Umsetzung wäre nicht verkehrt gewesen. Aber der puristische Ansatz ist um Welten besser als der Versuch im letzten Jahr mit dem dunkleren Orange und den schwarzen Elementen. Daumen hoch.

Mercedes AMG F1 W09: Die bekannte Mischung aus Silberpfeil-Silber und Petronas-Türkis. Das Türkis, angereichert mit dem ubiquitären Schwarz, zieht sich wie im letzten Jahr in welligen Streifen über die Seitenfläche des Autos. Möglicherweise hat der Art Director etwas zu intensiv auf seine Lavalampe gestarrt. Soll wohl eine Mischung aus Vornehmheit und Dynamik suggerieren. Zu Marke und Zielgruppe passt es vermutlich. Meine Sache ist es eher nicht, aber ich bin auch nicht vornehm oder dynamisch. Daumen quer.

Renault R.S.18: Wo zum Teufel ist das ganze Gelb hin? Die Rennwagen von Renault kombinieren gefälligst viel Gelb mit etwas Schwarz, gerne verfeinert mit ein wenig Weiß. Und 2018? War schon 2017 ein Rückschritt gegenüber 2016 (da hatte man leider den gelben Lack mit reichlich Senf gestreckt), gibt es 2018 nur noch etwas Pro-forma-Gelb und stattdessen viiiiiel Schwarz. Es sieht gar nicht so schlecht aus, aber es ist keine Lackierung für einen Renault. Daumen runter.

Red Bull RB14: Nix Neues, viel mattes Tiefdunkelfastschonschwarz-Blau mit den brausig-peppigen gelb-roten Bullen-Akzenten. Diese sorgen dafür, dass man den Wagen nicht übersieht. Eindrucksvoll ist in meinen Augen was anderes, aber die Kombination ist gefällig und alles in allem okay. Halbwegs okay. Daumen quer.

Sauber F1 C37: Passt. Neue Grundfarbe Weiß, dazu eine große rote Fläche im Heck, quasi Motorhaube, die dem neuen Titelsponsor Alfa Romeo gewidmet ist. Außerdem ein paar blaue Streifen als Dekor. Nicht direkt atemberaubend, mehr unaufgeregt, was nie verkehrt ist, aber von einer erfreulich unaufdringlichen Eleganz. Daumen hoch.

Toro Rosso STR13: Die Mischung aus Blau, silbernem Bullen/silberner Schrift und Rot hat mir schon im letzten Jahr gut gefallen. Das wirkt leicht, entspannt, positiv, perlend, fast schon heiter und lebensbejahend. Wenn man jetzt noch einen Weg finden würde, die roten Streifen etwas geschmeidiger ins Design zu integrieren, wäre ich sogar noch glücklicher. Daumen hoch.

Williams FW41: Mit Martini als Sponsor kann man eigentlich nichts falsch machen, das legendäre Design ist von zeitlos-erhabener Schönheit: hellblaue, dunkelblaue und rote Streifen auf meist weißem, manchmal rotem oder silbernem und je ein Mal schwarzem bzw. dunkelgrünem Untergrund. Seit 2014 ist Martini Sponsor von Williams. Die Lackierung war hier immer attraktiver als die Autos. Und was passiert 2018? Ein nicht unerheblicher Teil des Weiß verschwindet zugunsten von, Sie ahnen es, Schwarz. Komplett schwarz wäre ja noch verhandelbar gewesen, aber als seitlich aufgepfropfte Fläche? Nein. Für mich die Enttäuschung des Jahres. Daumen runter.

Falls Sie nach der Lektüre den Eindruck haben, dass ich etwas gegen schwarze Formel-1-Autos habe, liegen Sie falsch. JPS-Lotus! UOP-Shadow! Wolf! Ahh, das waren wunderschöne Rennwagen! Gegen schwarze Gestaltungselemente ist im Prinzip auch nichts einzuwenden. Und es ist sogar zu begrüßen, wenn hässliches Geflügel oder andere unschöne Bauteile, die den Gesamteindruck stören, mit schwarzem Lack eine Art Tarnanstrich bekommen. Aber mittlerweile greifen die Gestalter fast obsessiv zum Topf mit der schwarzen Farbe. Irgendein nicht zu kleiner Teil des Autos muss schwarz lackiert sein. Möglicherweise gilt es als cool, stylish, modern, elegant, was weiß ich. Gibt es eventuell ein Gesetz, das besagt, dass ein Formel-1-Wagen ohne schwarzen Lack in großer Dosis möglich, aber sinnlos ist? Wenn ja, sollte man dieses Gesetz unverzüglich abschaffen. Es ist nicht cool, stylish, modern oder elegant. Es ist phantasielos. Es ist eine Bankrotterklärung der Kreativität.