Donnerstag, 14. Mai 2015

Peking-Ente?

Meine Ente und ich. 29 gemeinsame Jahre und 100.000 Kilometer ohne spektakuläre Erlebnisse, wobei, es sei nicht verschwiegen, die Ente die letzten 15 Jahre im Semi-Ruhestand verbracht hatte – quasi als Liebhaberei, weil man eine Ente ja nur unter Androhung von Gewalt verkauft – und die Gelegenheiten für spektakuläre Erlebnisse also per se eher sparsam waren.


Seit einiger Zeit aber habe ich die Ente vorübergehend wieder im ständigen Gebrauch; aus technischen Gründen, die hier nichts zur Sache tun. Und dann war es so weit; das spektakuläre Erlebnis, von dem ich noch meinen Enkeln und Urenkeln erzählen würde, wenn ich welche hätte. Die Ente parkte ganz harmlos vor dem Büro. Irgendwann stand ein Bus neben der Ente, und zu diesem Bus gehörte eine Busladung voller Asiaten. Vermutlich eine Delegation zu Besuch bei der Firma gegenüber. Einer nach dem anderen stellte sich neben die Ente, legte die Hand auf den Türgriff und ließ sich mit meinem 2CV fotografieren. Wirklich ganz außergewöhnlich bizarr, fast schon surreal. Es handelte sich wohl, soweit ich das mit meinen europäischen Augen aus der Entfernung des 4. Stockwerks beurteilen konnte, um Japaner; wären es Chinesen gewesen, hätte ich mir natürlich kulinarische Sorgen gemacht. So aber amüsiert mich der Gedanke, dass jetzt diverse Japaner der Familie und den Freunden zuhause ihr Smartphone hinhalten und voller Freude erzählen, wie sie mal in Deutschland neben einem unglaublich skurrilen Auto standen.


Allerdings bin ich nicht der einzige Entenbesitzer, dem ein solch zauberhaftes Erlebnis zuteil wurde. Wenn ich an dieser Stelle Klaus Westrup zitieren darf, MotorKlassik, Juni 2015, Seite 45: „Das schönste Erlebnis hatten wir bei der Raststätte Renchtal an der A6 Richtung Baden-Baden. Ich halte, um eine Bild-Zeitung zu kaufen, dann rollt er neben uns, der Bus mit mindestens 30 Japanern, die meisten mit einer Kamera. Ihre überschäumende Fröhlichkeit angesichts des weißen 2CV zeigte, dass sie diesen Oldtimer zuvor noch nie gesehen hatten. In den folgenden fünf Minuten sind wir umringter Mittelpunkt, werden fotografiert wie Stars und zu optischen Mitbringseln für die Heimat.“